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Coronakrise: Bundesregierung versagt bei ganzheitlicher Gesundheitspolitik

Die Coronakrise beherrscht das öffentliche und private Leben und hat den politischen Diskurs vollständig im Griff. Die politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie greifen tief in die grundgesetzlich garantierten Freiheiten der Menschen ein. Sie führen zu einer erstmals durch staatliche Maßnahmen verordneten wirtschaftlichen Krise, die Existenzen bedroht, zu Massenentlassungen führt und unzählige Insolvenzen verursacht – besonders schlimm sind kleine und mittlere Familienbetriebe betroffen. Die sozialen Auswirkungen der Krise sind noch schwer zu quantifizieren, aber auch diese werden enorm sein. Immer mehr Menschen, Unternehmer*innen wie Arbeitnehmer*innen sind verzweifelt und wissen nicht mehr, wie sie finanziell überleben sollen. Ein Hilfsprogramm auf Bundesebene mit 150 Mrd. Euro wird zwar einiges auffangen, aber sicherlich nicht alles. Dafür steigt die Staatsverschuldung, mit all den Gefahren für die Sicherheit der Renten, der Beamtenversorgung und der Aufrechterhaltung staatlicher Aufgaben in Bildung, Infrastruktur und Gesundheitswesen. Die Auswirkungen einer solchen extremen Staatsverschuldung kann niemand überblicken.

Plötzlich ist die Gesundheit der Menschen das oberste Gebot aller politischen Handlungen und das ist gut so. In der Vergangenheit war dies faktisch nie der Fall. Gesundheitsvorsorge und Verhinderung von Krankheiten wurde meist den wirtschaftlichen Interessen der Verursacher geopfert.

Das Paradebeispiel dafür ist die Luftverschmutzung: Laut einer aktuellen Studie vom Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und Greenpeace Southeast Asia können in Deutschland im Jahr 2018 80.000 vorzeitige Todesfälle auf die Ursache Luftverschmutzung (Dieselruß, Kohleverbrennung und weiteres) zurückgeführt werden, in der EU insgesamt 400.000 und weltweit jährlich 4,5 Millionen. Die Weltgesundheitsbehörde WHO, die neben der Verunreinigung der Außenluft auch die häusliche Luftverschmutzung einbezieht, geht sogar von jährlich 7 Millionen durch Luftverschmutzung verursachten vorzeitigen Todesfällen aus. In Deutschland sind für das Jahr 2016 etwa 4.300 vorzeitige Todesfälle alleine auf die Emissionen aus Kohlekraftwerken zurückzuführen. Zum Vergleich: Mit Stand vom 16.4. gab es in Deutschland bisher 3.569 Todesfälle, bei denen der Virus COVID-19 nachgewiesen wurde.

Ob der Virus bei den oftmals mehreren gleichzeitig vorhandenen Vorerkrankungen auch die entscheidende Todesursache war oder eben doch die zum Teil schweren Vorerkrankungen dominant waren, kann wissenschaftlich wohl kaum ermittelt werden. Klar ist nur, viele der COVID-19-Toten hatten eine oder mehrere Vorerkrankungen. Zu den Vorerkrankungen gehören unter anderem solche (Lungen-)Krankheiten, die durch Luftverschmutzung verursacht wurden. Auffällig ist, dass die ersten Hotspots der Corona Epidemie – Wuhan, Norditalien und Madrid – jeweils Regionen sind, die seit vielen Jahren auch zu den Hotspots der weltweiten Luftverschmutzung gehören.

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Corona und Luftverschmutzung

Eine jüngste Studie der Harvard-Universität hat nun nachgewiesen, dass gerade in Regionen mit hoher Luftverschmutzung das Sterberisiko mit COVID-19 deutlich erhöht ist. Ein italienisches Wissenschaftlerteam vermutet gar, dass Feinstaubpartikel als Überträger der Viren zu den Ansteckungswegen beitragen können. Jedenfalls wurde wissenschaftlich klar nachgewiesen, dass Viren auf solchen Partikeln länger überleben können. Wenn sich der Übertragungsweg von Viren über Luftschadstoffpartikel wissenschaftlich manifestiert, dann müssten wohl die Regierungen der Welt die Quellen dazu (Kohlekraftwerke, Verbrennungsmotoren u.a.) ausschalten, um die Menschen vor Ansteckung zu schützen.

Nun hat die Corona-Pandemie über die politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsübertragungen gleichzeitig zu einer drastischen Reduktion der Luftverschmutzung geführt. Wohlgemerkt war das Ziel der Gesundheitsminister*innen zur Eindämmung der Corona-Epidemie nicht eine Reduktion der Luftverschmutzung (obwohl sie in Deutschland ja alleine jährlich 80.000 vorzeitige Todesfälle verursacht), sondern dies war nur ein positives Ergebnis so nebenbei.

Dies wirft ein besonderes Schlaglicht auf die Gesundheitspolitik von Jens Spahn und seinen Kolleg*innen weltweit: Die Verhinderung von krankheitsverursachenden Wirtschaftsaktivitäten stand nie im Zentrum ihrer Gesundheitspolitik und tut auch es auch heute nicht, obwohl diese weltweit viele Millionen Tote verursachen.

Dabei ist die Luftverschmutzung nicht die einzige krankmachende Ursache, die aus der heutigen Wirtschaftsart des dominanten fossil-atomaren Wirtschaftssystems in Verbindung mit einer konzernorientierten Lebensmittel- und Chemieindustrie entspringt: Trinkwasserverschmutzung, Bodenvergiftungen, Lärmbelastungen, Schadstoffe und Rückstände in Lebensmitteln (z.B. Pestizide, Antibiotika), radioaktive Belastungen, Mikroplastikverseuchung – die krankheitserzeugende Wirkung des aktuellen dominanten Wirtschaftssystems ist gigantisch.

Heute wird zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie eine bisher nie dagewesene weltweite Wirtschaftskrise verordnet. Um die vielen Millionen Tote der fossil-atomaren Weltwirtschaft einzudämmen haben sich Gesundheitsminister*innen bisher nie wirksam eingesetzt. Immer stand im Vordergrund der Politik, die (fossile-atomare) Wirtschaft nicht zu gefährden, egal wie krank die Gesellschaft davon wird. Jedenfalls gab und gibt es in Deutschland keine ausreichenden politischen Maßnahmen, um die jährlich 80.000 vorzeitigen Todesfälle infolge von Luftverschmutzung zu verringern, wie ein sofortiges Abschalten von Kohlekraftwerken und eine Einführung von Fahrverboten für Autos mit Verbrennungsmotoren.

Im Gegenteil, trotz aller brisanten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ihrer Krankheitswirkung soll die Laufzeit der letzten Kohlekraftwerke nach dem Entwurf des sogenannten Kohleausstiegsgesetzes bis 2038 sogar noch mit neuen milliardenschweren Subventionen gegen die Konkurrenz der emissionsfreien billigeren Erneuerbaren Energien ermöglicht werden. Da wirkt es schon sehr befremdlich, wenn Finanzminister Olaf Scholz nun sagt:  „Ich wende mich gegen jede dieser zynischen Erwägungen, dass man den Tod von Menschen in Kauf nehmen muss, damit die Wirtschaft läuft“.

Doch genau dies haben er und seine Kabinettskolleg*innen immer getan, wenn es um die Stützung von krankmachenden Wirtschaftsweisen geht, wie luftverschmutzender Verkehr, Energie, pestizidbelastete Landwirtschaft, Massentierhaltung, fossile Giftchemie u.v.a.m. Gesundheitsvorsorge spielte in der Abwägung ihrer Entscheidungen nie eine Rolle. Immer musste die Wirtschaft wie bisher laufen.

Doch nun ist alles anders? Scheinbar steht die Gesundheit der Menschen als oberstes Kriterium vor jedem politischem Handeln, die Wirtschaft geht in die Knie. Auffällig ist da schon, dass auch Wirtschaftszweige in die Insolvenz gehen, die keine gesundheitlichen Probleme verursachten, aber sogar erforderlich sind, um Gesundheitsprobleme zu lösen ­– so zum Beispiel mittelständische Gärtnereien für die Nahrungsversorgung mit Gemüse und Gemüsepflanzen in Bayern oder Firmen aus der Solar- und Windwirtschaft, die dringend gebraucht werden, um die krankmachende Luftverschmutzung zu reduzieren.  

Krankheitsursachen müssen ganzheitlich bekämpft werden, in der Krise und auch danach

Klar ist nur eines: Die Corona-Politik der Regierungen weltweit und auch in Deutschland ist keine ganzheitliche Gesundheitspolitik. Sie lässt vermissen, dass Krankheitsursachen beseitigt werden müssen, insbesondere solche, die verstärkend über Vorerkrankungen die Todesraten in Epidemien nach oben treiben, so wie es die oben zitierte Studie zum Zusammenhang von Luftverschmutzung und COVID-19-Toten belegt.

Die aktuelle Gesundheitspolitik konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Maßnahmenbereiche: Eindämmung der Neuinfektionen und Bereitstellung möglichst vieler Beatmungsgeräte und Intensivbetten. Natürlich sind die Verhinderung von schweren Verläufen, Todesfällen und exponentiell wachsenden Infektionsansteckungen entscheidende Ziele.

Eine ganzheitliche Gesundheitspolitik ist das noch lange nicht. Sie müsste aber gerade auch in einer akuten Pandemie auf viele weitere Maßnahmen setzen. Zwei Bereiche davon sind essentiell für eine wirksame Gesundheitspolitik – nicht nur in der Coronakrise, sondern auch davor und danach. Zum einen sollte jeder Mensch umfassend informiert werden, wie er durch persönliche Aktivitäten sein Immunsystem selbst am besten stärken kann, um bessere Chancen auf eine gute Überwindung einer Infektion zu bekommen. Zum anderen muss eine Gesundheitspolitik dafür Sorge tragen, dass krankmachende Umweltweinflüsse (z.B. Luftverschmutzung, Pestizide und Antibiotika in Lebensmitteln) abgebaut werden und neben der allgemeinen Gesundheit speziell auch die psychische Gesundheit besser gefördert wird (z.B. durch Präventionsmaßnahmen gegen starke psychische Belastung am Arbeitsplatz).

Für das Erste bräuchte es tägliche Aufklärung in allen Medien und Regierungskampagnen, was die Menschen selbst für ihre Gesundheit tun können. Überall wird darauf hingewiesen, dass man häufig Hände waschen solle und einen 1,5 Meter Abstand zur nächsten Person wahren müsse. Doch Regierungskampagnen und massenhafte Medienaufklärung zur Stärkung des persönlichen Immunsystems gibt es kaum.

Dabei wird das Immunsystem der Menschen gestärkt durch Vermeidung krankmachender Verhaltensweisen. Dazu gehören u.a.:

  • Atmen von sauberer, frischer Luft (Vermeidung von Luftschadstoffen, belasteter Innenraumluft und Rauchen).
  • Viel Bewegung, statt ständigem Sitzen.
  • Gesunde Ernährung, am besten vegan aus biologischem Anbau, aber auf jeden Fall Vermeidung von mit Antibiotika belastetem Fleisch und pestizidbelastendender Nahrung. Bedeutsam ist auch eine Reduzierung des Konsums von Zucker und denaturierten Lebensmitteln.
  • Bewältigung von Angst- und ständigen Stresszuständen.

Eine regierungsamtliche Aufklärungskampagne, wie man das eigene Immunsystem bestens stärkt, wäre nun in der Coronakrise eine der wichtigsten Maßnahmen, um eine größere Anzahl milderer Corona-Krankheitsverläufe zu schaffen. Immerhin können viele Menschen die wesentlichen Kriterien für die Stärkung des persönlichen Immunsystems in vielen Social-Media-Beiträgen erfahren, wenn es schon keine umfassende in allen Medien präsente regierungsamtliche Aufklärung dazu gibt. Ein besonders informativer Beitrag ist hier zu finden.

Teilweise schwächen die politisch verordneten Corona-Abwehrmaßnahmen sogar das Immunsystem vieler Menschen: Weniger Bewegung oder mehr belastete Innenraumluft ist zwangläufiges Ergebnis von restriktiven Ausgangssperren.  Ein Verlust des Arbeitsplatzes oder des Unternehmens schafft Stress und existenzielle Ängste. Die ständige Medienberichterstattung über Tote und überfüllte Krankenhäuser schafft ebenso Ängste und wirkt damit krankheitsverstärkend. Statt einer Placebo-Wirkung über positive Nachrichten gibt es nur Nocebo-Effekte über die ständige Horrorberichterstattung. Es geht nicht um ein Verschweigen der Tatsachen, dennoch sollten Medien sich dessen bewusst sein und entsprechend agieren.

Zu einer ganzheitlichen Gesundheitspolitik gehört also auch die Beseitigung einer krankmachenden Umwelt, wie Luftverschmutzung oder Stress am Arbeitsplatz. In diesem Sinne versagen Gesundheitsmister Jens Spahn und seine weltweiten Kollegen. Da hilft auch nicht, dass dennoch der größte Teil der deutschen Bevölkerung in Umfragen gerade große Zustimmung signalisiert.

Wirklich wirksame Gesundheitspolitik und Klimaschutz sind zwei Seiten der gleichen Münze

Eine wirksame Gesundheitspolitik muss insbesondere die Luft, das Wasser, die Böden sauber halten. Sie muss für unbelastete Lebensmittel sorgen. Damit rücken alle Maßnahmen in den Mittelpunkt, die auch aus Sicht eines wirksamen Klimaschutzes erforderlich sind: emissionsfreie Energieversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien statt Luftschadstoffe aus Kohle oder Erdgaskraftwerken; eine ökostrombetriebene E-Mobilität statt Verbrennungsmotoren mit fossilen Kraftstoffen; ökostrombetriebene Wärmepumpen in der Heizung statt Erdöl- und Erdgasheizungen; eine abfall- und emissionsfreie echte Kreislaufwirtschaft statt immense Plastikmüllberge; eine biologische Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung statt Pestizide und Antibiotika in den Lebensmitteln. 

Prof. Dr. Marc Jacobson, Stanford Universität, Kalifornien hat in seinen Studien belegt, dass mit einer weltweiten Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien Millionen vorzeitiger Todesfälle durch Luftverschmutzung verhindert werden würden. Von Minister Jens Spahn und anderen Gesundheitsminister*innen ist aber nichts zu hören, weder vor der Coronakrise, noch jetzt, dass die Schaffung einer emissionsfreien Wirtschaftsweise Millionen Tote verhindern würde und bei Ausbrüchen von Pandemien sogar eine gute Prävention für mildere Verläufe schaffen würden.

Trotz offensichtlicher Parallelen und Wechselwirkungen findet Diskussion über ganzheitliche Lösungsansätze für Gesundheit und Klimaschutz nicht statt

So ist leider zu befürchten, dass nach der Überwindung der Coronakrise die alte krankmachende und klimazerstörende Wirtschaftswelt wieder voll anspringen wird. Mit Erdöl betriebene Flugzeuge, Autos, LKWs und Busse werden ihre Abgase wieder voll rauspusten, Luftverschmutzung und der Lärm der Motoren wird wieder viele krank machen und so für viele Vorerkrankungen sorgen. Der nächste Virus wird wieder ein leichtes Spiel haben und für tausende Tote sorgen.

Was besonders fatal ist: Der Eintritt in die Heißzeit des Planeten Erde wird immer wahrscheinlicher und mit ihm die Auslöschung der menschlichen Zivilisation. Die Corona-Pandemie – so schlimm sie auch ist – kann wie auch andere Pandemien niemals solch schreckliche Auswirkungen erzeugen, wie es ein Überschreiten von 1,5°C oder gar 2°C der Erderwärmung mit sich bringen würde. Der schnelle Einstieg in die irdische Heißzeit wird aber genau von den Gesundheitsminister*innen auch noch befördert, weil sie die Bekämpfung der Krankheitsursachen, die das aktuelle Wirtschaftssystem hervorruft, nicht auf ihre Agenda setzen. Würden sie zum Schutze der allgemeinen menschlichen Gesundheit ähnlich rigorose Maßnahmen im Wirtschaftssektor fordern und durchsetzen, wie aktuell in der Coronakrise, dann würden sie eine viel stärkere Gesunderhaltung der gesamten Bevölkerung bewirken als heute.

Aber in der Wirtschaft würde dies anders als in der wirtschaftlichen Coronakrise nicht alle treffen, sondern nur diejenigen, die ihre Geschäftsmodelle mit der Krankmachung vieler Menschen und der Zerstörung des Klimas betreiben. Die klimaschützende und gesunderhaltende Wirkungsweise der emissionsfreien sauberen Wirtschaftszweige würde aufblühen und den Abbau in der fossil-atomaren Wirtschaft weit überkompensieren. Eine Diskussion über einen solchen umfassenden und langfristigen Pfadwechsel findet aber genau nicht statt. 

Aber vielleicht findet in der jetzigen Coronakrise ein Erwachen in vielen Köpfen statt – mit dem Grundgedanken, dass existenzielle Krisen wie Pandemien und Klimakatastrophen doch sehr schnell und weitreichend Wirklichkeit werden können und man alles zur Vorsorge ihrer Abwendung tun müsse. Dann haben wir vielleicht doch noch eine Chance die Heißzeit der Erde abzuwenden und der schöne Nebeneffekt wäre, dass auch viele Krankheitsursachen gleichzeitig beseitigt und kommende Pandemien nicht so viele Menschen mit Krankheitsvorbelastungen sterben lassen würden.

Quelle: www.hans-josef-fell.de 

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